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Etherische Öle in der Aromatherapie

Etherische Öle besitzen große therapeutische Kräfte und werden bereits seit tausenden von Jahren in der traditionellen Heilung verwendet.

Auch wenn sie in der heutigen konventiellen Medizin in Deutschland kaum in nennenswerter Weise zum Einsatz kommen, werden sie in der Aromatherapie eingesetzt. Rationale Aromatherapie ist fester Bestandteil der rationalen Phytotherapie, einem Zweig der Medizin.

Bestandteile
Etherische Öle sind flüchtige Bestandteile aus Pflanzen, die hauptsächlich aus Wasser-Dampfdestillation oder durch Auspressen der Fruchtschale der Heilpflanze gewonnen werden. Im Gegensatz zu üblichen Arneimitteln, bilden etherische Öle extreme Vielstoff-Systeme.

Ätherische Öle bestehen aus den chemischen Elementen Kohlenstoff und Wasserstofff, auch Kohlenwasserstoffe genannt. Darüber hinaus setzen sie sich auch in der Regel aus Sauerstoff, seltener Schwefelkohlenwasserstoffen und Stickstoff zusammen.

Aufnahme
Etherische Öle können entweder über das Inhallieren ihrer Düfte mit der Nase oder über das Auftragen auf die Haut aufgenommen werden. Dafür müssen sie allerdings zuvor in einem geeigneten Trägeröl wie beispielsweise Olivenöl, Mandelöl oder Jojobaöl verdünnt werden.

Einsatz in der traditionellen Heilkunde
Seit tausenden von Jahren werden etherische Öle aus Heilpflanzen wie Myrrhe, Weihrauch, Kamille und Zedern sowie einer Reihe anderer Heilpflanzen zur Heilung und Linderung von Krankheiten in der traditionellen Anwendung eingesetzt. Beispielsweise berichtet die Bibel an mehreren Stellen über die Kraft etherischer Öle, die neben rituellen Zwecken auch zur Bekämpfung von Krankheiten eingesetzt werden.

Einsatz in der Aromatherapie
Von Rationaler Aromatherpie spricht man, wenn pflanzliche Öle und Wässer zur Therapie von Beschwerden und Erkrankungen Verwendung finden.
Sie stellt eine rationale Therapie dar und ist Teil der rationalen Phytotherapie. Sie grenzt sich von Esoterik stark ab. Im Vergleich zur Erfahrungsheilkunde und traditionellen Heilkunde, versteht sich die Phytotherapie als Teil evidenzbasierter Medizin und orientiert sich an Ergebnissen aus Doppelblindstudien.

Einsatz in anderen Ländern
Neben dem Einsatz in der traditionellen Heilkunde, werden etherische Öle aus Heilpflanzen wie Lavendel, Teebaum oder Eukalyptus und vielen anderen, in der Aromatherapie in Ländern außerhalb Deutschlands gerne genutzt.
In Ländern wie Frankreich ist Aromatherapie bereits in der ärztlichen Praxis fest etabliert, die nur von Ärzten zur Therapie eingesetzt werden darf. In England genießt sie den Status einer eigenständigen Heilkunst. In Deutschland hingegen stellt sie kein eigenes Gebiet in der Heilkunst dar. Sie wird lediglich unter ärztlicher Aufsicht in Gesundheitsberufen eingesetzt oder in Form von Aromapflege im Pflegebereich. Auch außerhalb der Medizin wie beispielsweise in der Kosmetik und der Wellness wird sie verwendet. Sie unterstützt den Aufbau körpereigener Selbstheilungskräfte und dient vor allem zur Stärkung des Immunsystems.

Wesentlicher Unterschied zur pharmazeutischen Chemie
Pharmazie setzt auf Einzel-Systeme und nicht auf Mehrstoff-Systeme, da sie im Gegensatz die Wirksamkeit der Einzel-Systeme bislang besser nachvollziehen und kontrollieren kann. Etherische Öle hingegen bilden in Form von Mehrstoff-Systemen extrem komplexe Mischungen und weisen einen hohen Anteil an unterschiedlichen Substanzen auf. Inhaltsstoffe werden nach primären Pflanzenstoffen und sekundären Pfanzenstoffen unterschieden.

Während die Schulmedizin eine Therapie mit pflanzlichen Ölen weiherhin der Erfahrungsheilkunde zuordnet, stoßen moderne Forscher zunehmend auf überraschende Ergebnisse über ihre Wirksamkeit im menschlichen Körper. Mittlerweile stellt auch die moderne Wissenschaft die ausschließliche Bewertung medikamentöser Wirksamkeit über sogenannte randomisierte Doppelblindstudien im Rahmen klinischer Forschung zunehmend in Frage. Gleichzeitig kann die Nützlichkeit von Erfahrungsheilkunde für die tägliche Praxis nicht weiter außer Acht gelassen werden.

Einige osteuropäische Länder haben bereits Rosenmedikamente entwickelt. Sie wirken antibiotisch und analgetisch. Bei Strahlenschäden in und um Tschernobyl konnten sie mit vielversprechenden Ergebnissen eingesetzt werden.

Eigenschaften von ätherischen Ölen
Etherische Öle bilden Vielstoff-Systeme dar. Das heißt, dass sie über eine unterschiedlich hohe Anzahl an Inhaltsstoffen verfügen. Ihre Wirkung entfalten sie, wenn ihre Duftmoleküle auf Rezeptoren im limbischen System treffen und dadurch elektrochemische Reaktionen hervorrufen. Physiologische Wirkungen konnten bereits in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden.

RosenölEin ganz besonderes Öl
Bereits in der Antike galt Rosenöl als Allheilmittel.
Etherisches Rosenöl enthält über 550 Inhaltsstoffe, davon sind allein bis heute 120 noch nicht identifiziert. Seine pharmakologischen Wirkgruppen sind zahlreich. Eine besonders starke Wirkung erzielt dabei die enthaltene Gruppe von Phenylethanol, die schmerzlindernd wirkt. Die zweite Gruppe bildet Farnesol, das Hautprobleme bekämpft und schließlich die Gruppe Aldehyd Citral, die bei Virusinfektionen eingesetzt werden kann.
Rosenöl kann zudem den Thalamus anregen, das für Glücksgefühle verantwortlich ist und schmerzlindernd wirkt. Das etherische Öl der Rose wird traditionell und in der Aromatherapie bei zahlreichen Erkrankungen eingesetzt.

Bekannte Nebenwirkungen einiger etherischer Öle
Ausschlaggebend für die Erzielung von Wirkungen ist stets die Dosis ein jeden etherischen Öls. Eine falsche Dosierung kann wie andere Arzneimittel auch zu Nebenwirkungen führen.

Falsch dosiert kann beispielsweise Wacholderöl zu Nierenschäden führen. Es muss daher in der Therapie richtig eingesetzt werden, um einerseits gute Wirkungen zu erzielen und Schäden an Nieren zu vermeiden. Eine Alternative zu Wacholderöl bieten etherische Öle aus Lavendel, Teebaum und Muskatellersalbei.

Betont werden muss auch die richtige Gewinnung und Herstellung etherischer Öle für Therapiezwecke. Es sollten ausschließlich Öle aus zertifiziertem Anbau in Bio-Qualität und in naturreiner Form verwendet werden, um krebserregende Nebenwirkungen oder Leberschädigungen zu vermeiden oder stark zu vermindern.
Einige etherische Öle können bei Patienten eventuell zu Hautreizungen, Hautirritationen oder Hautveränderungen durch UV-Strahlen führen. Um unnötige Hautreizungen zu vermeiden, ist ein vorheriger Armbeugetest sinnvoll. Beim Auftragen auf die Haut ist es wichtig, die betreffende Hautpartie vor dem Auftragen des Öls zu befeuchten. So verhinderst du ein Austrocknen der Haut. Außerdem sollten eine Reihe von etherischen Ölen bei bestehenden Hautkrankheiten nicht angewandt werden.
Darüber hinaus spielen auch die richtige Dosierung und ihre Anwendungsdauer für die richtige therapeutische Anwendung eine große Rolle. Sprich daher vor einer Anwendung mit etherischen Ölen unbedingt mit einem Arzt deines Vertrauens.

Grundsätzlich raten wir von einer Selbstmedikation ohne vorherige Absprache mit einem Arzt oder ausgebildeten Aromatherapeuten ab. Besonders Schwangere, Stillende und Kinder sollten ohne vorherige ärztliche Beratung ätherische Öle nicht anwenden.

Ausblick
Seit dem großen Aufschwung der pharmazeutischen Chemie ist die Therapie mit pflanzlichen Ölen in Europa zunächst stark in Vergessenheit geraten. Doch mittlerweile wendet sich auch die moderne medizinische Forschung diesem interessanten Gebiet weiter zu. Positive Ergebnisse aus einer Reihe zahlreicher wissenschaftlicher Studien finden zunehmend Beachtung.

Literaturempfehlung:

Dietrich Wabner und Christiane Beier (Hrsg.) “Aromatherapie. Grundlagen – Wirkprinzipien – Praxis, 2012